Blog / Wir leben noch!
Author: Michi
- created at 08.08.2011 20:52
Categories:
2011
Was haben wir in den letzten Monaten nicht alles ertragen müssen. Nach den tragischen Monaten Mai und Juni, war der Juli auch nicht besser. Als Joëlles Mutter gestorben ist, sind wir schnellstmöglich in die Schweiz gereist. Ich hatte gerade noch zwei Stunden Zeit Sarah, die aus Kanada zurück kam, einige Instruktionen zu geben bevor mein Kanu fuhr. Ich kam eine Woche eher zurück nach Ecuador als Joëlle. Hier war die Hölle los, denn die Hochsaison hatte begonnen. Ich musste zwei Tage aufräumen bevor ich ans normale Arbeiten nur denken konnte. Joëlle kam eine Woche später und fand auch einen Haufen Arbeit vor. Natürlich stürzten wir uns gleich rein, denn die Arbeit ist auch zugleich die beste Ablenkung. So endete der Juli schnell und wir waren beide ziemlich fertig. Wir hofften einmal mehr auf einen neuen Monat und diesmal hiess er August. Der 1.August kam und ich organisierte ein grosses Fest mit allem was so zu einem 1. Augustfest dazugehört: ein grosses Feuer, Würste, Fahnen, Feuerwerk, Wein, Bier und sogar Lampions hatten wir. Wir genossen die Ablenkung, es war ein verheissungsvoller Start in den neuen Monat.
Die Arbeit blieb aber nicht liegen und eines meiner persönlichen Ziele war das
Wiedereinfangen von Johan, unserem Klammeraffenmännchen. Er war im April von einer
sich seeeeeehr dummmmm anstellenden Volontärin freigelassen worden. Johan ist 20 Jahre
alt und ist das zweite Tier in der Geschichte vom amaZOOnico. Er ist schon einige Male
abgehauen und jedes Mal hatte er einige Tiere im Center getötet auf seinem Freigang. Er ist
sehr intelligent und man konnte ihn bisher nie zweimal mit der gleichen Methode einfangen
und das machte es uns umso schwieriger ihn noch einmal einzufangen. Ich hatte es ja schon
letzten Dezember geschafft und somit war er sowieso nicht gut auf mich zu sprechen. Nun
gut, wir versuchten einiges und es brachte nichts. Da er sich ruhig verhielt und noch keine
Tiere angegriffen hatte gaben wir ihm die Zeit um neues Vertrauen zu gewinnen. Wir bauten
einen Käfig um einen Futtertisch herum und machten eine Falle draus. Er war sichtlich nervös
als er zum ersten Mal den Käfig sah. Er ahnte auch, dass es eine Falle ist und ging nur rein
wenn kein Mensch zu sehen war. Er gewann Vertrauen und wir gaben ihm Zeit, denn ein
Fehlversuch würde die Arbeit von einem Monat zunichte machen und wir müssten uns etwas
neues Überlegen. Als Johan dann letzte Woche einem Totenkopfaffen den
Oberschenkelmuskel bis auf dem Knochen rausgerissen hatte, wir mussten in einschläfern,
wurde die Zeit etwas knapper als Remigio und ich gedacht hatten. Ich setzte mich auf die
Lauer und er merke es prompt. Als Johan am 1. August noch einmal zuschlug, hatte er das
Fass zum überlaufen gebracht und ich musste mir eine neue Strategie überlegen. Kurz um, ich
versteckte mich und stellte einen befreundeten Guide an, den er nicht kannte, um mich zu
informieren wenn das Biest im Käfig sitzt und frisst. Johan hatte mich nicht gesehen und ass
gemütlich als ich aus dem Gebüsch gerannt kam und am Seil zog, das den Käfig schloss. Er
war drin und hat auch lautstark protestiert. Das Einfangen ist das Eine und das Andere ist ihn
in den richtigen Käfig zu bringen. Edison und ich, mit Lasso und Netzt bewaffnet, wagten uns
in die Höhle des Löwen, besser gesagt in den Käfig von Johan. Wir hatten nicht viel Platz
aber nach 5 Minuten hat er sich ergeben und wir konnten ihn ohne grosse Mühe ihn eine
Kiste stecken. Wir sind alle erleichtert, dass Johan wieder in seinem Käfig ist und somit
keinen Schaden mehr anrichten kann. Die jetzige Gruppe von Volontären wird Johan auch
nicht mehr raus lassen, denn sie haben die Gräueltaten von Johan gesehen und verstehen
besser denn je, warum er im Käfig sitzt und nicht frei ist. Ja, der August ist super gestartet
und wir hoffen, dass der Touristenstrom anhält. Wir brauchen das Geld, denn wir wollen
einige Renovationen von Gebäuden machen und einen neuen Veterinärsraum bauen.

